Zazen – 10.12.2017 aktualisiert

Die wichtigste Praxis in Zen ist ZAZEN – einfach in Ruhe sitzen. Bei der Sitzmeditation ist Wichtig, dass die Wirbelsäule gerade und aufrecht ist, und dass wir einen guten Kontakt zum Boden haben. Die aufrechte, stabile und ruhige Körperhaltung hilft uns, auch innerlich aufrecht, stabil und ruhig zu werden.

„Die Ausübung des  Zazen hat einen sehr positive Wirkung auf Körper und Geist. Sie führt beide zurück zu ihrem normalen Zustand. Zen kann weder in Begriffe gezwängt noch durch den Verstand wiedergeben werden, man muss es vielmehr ausüben: Zen ist ganz wesentlich eine Erfahrung. Die Intelligenz  wird dabei nicht unterbewertet, nur man strebt nach einer höheren  Dimension des Bewusstseins, die nicht in einer einseitigen Sicht der Wesen und Dinge stecken bleibt.“

Unserem Geist geben wir eine Ausrichtung, indem wir unseren Atem    beobachten; einatmen – ausatmen – ein- aus. Dabei nehmen wir gleichzeitig wahr, welche Gedanken oder Gefühle in uns entstehen, aber wir verfolgen sie nicht, wir lassen sie wieder gehen. Im Zen sagt man; Der Geist ist wie ein wilder Affe. Er lässt sich nicht zähmen, ist ständig aktiv. Das ist seine Natur. Man Vergleicht den Geist auch gerne mit einem jungen Hund: Er tobt herum, ist ständig aktiv, hält nicht still, einem Befehl folgt er oder auch nicht, wenn ja dann vielleicht eine Sekunde lang.

Die Aufgabe des Denkens ist zu denken. Die Natur des Geistes ist aktiv zu sein. Es hat keinen Sinn, „nicht denken zu wollen. Man kann den Geist nur dadurch beruhigen, indem man ihm eine Aufgabe gibt, ihm eine Ausrichtung gibt: Konzentriere dich auf den Atem. Dann kann das „nicht denken“ gelingen.

„Euren Geist  anzuhalten bedeutet nicht, die Aktivitäten eures Geistes einzustellen. Es bedeutet, dass eurer Geist den ganzen Körper durchdringt. Euer Geist folgt dem Atem“

Viele Dinge sind gleichzeitig, nicht entweder –oder, das bemerken wir bei der Meditation. Wir müssen nicht auf etwas beharren. Wenn wir bemerken, wie  ungeschickt wir uns manchmal verhalten, indem wir doch auf  Gedanken oder Bewertungen oder Gefühlen beharren, dann bringt uns das einfach zum Lachen oder nicht?

Wenn wir in etwas nicht mehr verstrickt sind, und uns in der Meditation die Ebene der Selbstbeobachtung erschliessen, dann können wir die humorvolle Seite der Dinge sehen.

„Ein Mensch zu sein heisst also, Buddha zu sein. Buddha-Natur ist  nur eine andere Bezeichnung für die  menschliche Natur, unsere wahre  menschliche Natur.So tut ihr selbst, wenn ihr überhaupt nichts, in Wirklichkeit doch etwas: Ihr bringt euch selbst zum Ausdruck. Ihr drückt eure wahre Natur aus; eure Stimme drückt sie aus. Das wichtigste ist, dass ihr  eure wahre Natur in der einfachsten, angemessenen Weise zum Ausdruck bringt und dass ihr sie in der Unscheinbarsten Existenz würdigt.“

Beim Zazen sitzt man möglichst bewegungslos, 29 oder 30 oder auch 40 Minuten oder länger.  Dann Kinhin ,(Gehmeditation)  danach wieder Zazen, ruhig, wie ein Fels. Zen wird oft mit Härte, Strenge und Verbissenheit  assoziiert. Ja das kann Zen manchmal auch sein. Darum geht es aber nicht. In erster Linie trainiert Zen Entschlossenheit, Standfestigkeit und Durchhaltevermögen:

Ich sitze jetzt und übe Zazen. Egal was im Aussen passiert: ich sitze Egal, ob ich gerade Lust habe oder nicht: ich sitze. Ich habe mich dazu entschlossen und bleibe dabei. Ich halte stand egal was passiert.

Kinhin ( Gehmeditation )

Gehmeditation ist wie Sitzmeditation, nur im Gehen. Was heisst das? Obwohl der Körper in Bewegung geht, bleibt der Geist möglichst ruhig und konzentriert. Atmen: ein – aus – ein – oder man denkt bei jedem Schritt: Schritt – Schritt – Schritt – Wie im Zazen ist die Wirbelsäule auch beim Kinhin aufrecht, der Körper findet auch beim Gehen und Stehen zurück in seine natürliche aufrechte Haltung. Ein Schritt nach dem anderen. Jeder Schritt fordert deine Achtsamkeit und Entschlossenheit.

Rezitation ( lautes Lesen von Sutren )

Sutren sind Texte mit buddhistischen Lehrinhalten, die entweder dem historischen Buddha selbst oder einem grossen buddhistischem Meister zugeschrieben werden. Sie werden laut in der Originalsprache rezitiert, der Takt wird mit einem Holzfisch geschlagen. Die Rezitation bewirkt in erster Linie eine Vertiefung des Atems. Durch das Rezitieren in der Gruppe kann man die Erfahrung machen, dass sich viele Stimmen wie eine Stimme anhören – alles hat Buddhanatur. Das meistgelesene Sutra ist das Herzsutra, das Hannya Shin–gyo eine Lehrrede über die transzendente spirituelle Erfahrung, den Zustand des Erwachens.

Ordnung und Rituale

Nichts im Zen wird „irgendwie“ gemacht. Alles folgt einer einfachen natürlichen Ordnung. Mache alles mit Achtsamkeit. Im Zen respektiert man das was ist, Ganz einfach.

„Wenn wir unseren Körper und Geist in Ordnung haben, wird auch alles andere am rechten Ort  und in der rechten Weise existieren. Doch ohne, dass wir das merken, versuchen wir gewöhnlich, etwas anderes als uns selbst zu verändern, die Dinge ausserhalb von uns in Ordnung zu bringen. Aber es ist unmöglich, die Dinge zu organisieren, wenn ihr selbst nicht in Ordnung seid. Wenn ihr etwas auf rechte Weise. zur rechten Zeit tut kommt alles in Ordnung.“

Man respektiert die Gegebenheiten, die Umgebung. Deshalb geht man Beispielweise in einem eckigen Raum bei der Gehmeditation in die Ecken und nicht kreuz und quer oder im Kreis. Man muss nicht etwas ändern, was nicht notwendig ist. Das ist Zeit und Energieverschwendung.

Wenn du den Raum betrittst, in dem Zen geübt wird, halte dich an die Ordnung und Regeln, die in diesem Dojo (Übungsraum) gelten. Bevor du das Zendo (Zen Übungsraum) betrittst, halte kurz inne und mache dir bewusst, dass es nun um deinen inneren Praxisweg geht. Verneige Dich mit gefalteten Händen (Gassho ), geh in den Raum zu deinem Platz. Wenn du an deinem Platz angekommen bist, legst du dein Sitzkissen (Zafu) auf der Sitzmatte zurecht und verneigst dich mit gefalteten Händen (Gassho ) zum Kissen hin. Als nächstes wendest du den Rücken zum Kissen, verneigst dich noch einmal mit gefalteten Händen und lässt dich ruhig auf das Kissen nieder. So nimmst du deinen Platz ein. Gassho drückt Respekt, Vertrauen und Verehrung aus. Es ist auch die Geste der Dankbarkeit. Werden beide Hände(Symbol der Dualität ) zusammengefügt, wird dadurch  Einklang und Einheit ausgedrückt.

In erster Linie ist Gassho eine Form der Achtsamkeit.

Ich beginne mit ganzem Bewusstsein.

Ich beende mit ganzem Bewusstsein

7.5.2011


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