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Buddha war kein Buddhist

Buddha lehrte nicht Buddhismus. Er lehrte den Dharma, das Gesetz. Er lehrte nicht die Satzungen eines Glaubens oder eines Dogmas oder einer Lehre, die blind akzeptiert werden müssen. Durch seine eigene Erleuchtungserfahrung zeigte er für jeden von uns den Weg, damit wir die Wahrheit in uns selbst finden können. Während der fünfundvierzig Jahre, die er lehrte, gebrauchte er viele verschiedene Worte und Vorstellungen, um auf die Wahrheit hinzuweisen. Die Worte oder Vorstellungen sind nicht die Wahrheit selbst; sie deuten lediglich auf eine bestimmte Art der Erfahrung hin. Zu Buddhas Zeiten verwechselten die Menschen, durch die Kraft seiner Weisheit und Erfahrenheit, im Allgemeinen nicht die Worte mit der Erfahrung. Sie hörten, was der Buddha zu sagen hatte, blickten nach innen und erfuhren die Wahrheit in ihrem eigenen Geist und Körper.

Im Laufe der Zeit begannen die Menschen immer weniger zu üben und verwechselten die Worte mit der Erfahrung. Verschiedene Richtungen entstanden, die über Ansichten diskutierten. Es ist so, als ob man bei dem Versuch, das Licht einer Vollmondnacht zu erklären, auf den Mond zeigt. Den Finger statt des Mondes zu betrachten bedeutet, das Zeigen nicht zu verstehen. Wir sollten nicht den Finger mit dem Mond verwechseln und nicht die Worte, die auf die Wahrheit deuten, für die Erfahrung selber halten.

Als der Dharma nach China kam, entwickelte er sich in eine bestimmte Richtung durch eine Verbindung der Lehren des Buddhismus und des Taoismus. Einer derjenigen, der die Entwicklung und Richtung der Ch’an (später Zen)-Schule am meisten beeinflusste, war der sechste chinesische Patriarch, Wei Lang. Obwohl man ihm nachsagt, dass er des Lesens und Schreibens nicht kundig gewesen sei, war sein Geist so geläutert und durchdringend, dass er, nachdem er eine Zeile des Diamant-Sutra gehört hatte, erleuchtet war. Oft lasen ihm die Menschen Schriften vor, damit er ihnen die eigentliche Bedeutung erklären konnte. Er gab eine sehr klare Beschreibung davon, was die verschiedenen buddhistischen Lehren oder Fahrzeuge wirklich bedeuten.

Buddha Predigte die Lehre von den ‘Drei Fahrzeugen’ und ebenso von dem ‘Höchsten Fahrzeug’. Beim Versuch dies zu verstehen, solltest du deinen eigenen Geist untersuchen und ganz unabhängig von Dingen und Phänomenen handeln. Der Unterschied dieser vier Fahrzeuge existiert nicht im Dharma selbst, sondern bloss in der Leute Geist. Zu sehen, zu hören und das Sutra aufsagen, ist das Kleine Fahrzeug. Den Dharma kennen und dessen Sinn verstehen, ist das Mittlere Fahrzeug. Den Dharma in die Praxis umsetzen, ist das Große Fahrzeug. Alle Dharmas vollauf zu verstehen, sie vollkommen in sich aufgenommen zu haben, von allen Anhaftungen frei zu sein und sich im Besitz von nichts zu befinden, ist das Höchste Fahrzeug.

In allen Traditionen, ob es in Indien, in Burma, in China, in Japan, in Tibet oder Amerika ist, überall gibt es jene, die an den Worten haften, die das Sutra aufsagen. Das ist das Kleine Fahrzeug. Wenn wir die Worte Taten werden lassen und den Dharma erfahren, dann gehen wir durch die Fahrzeuge hindurch, bis wir an nichts mehr anhaften, nichts mehr besitzen und den Dharma voll und ganz leben, von Augenblick zu Augenblick. Das ist das Höchste Fahrzeug des Dharma, die Vollkommenheit der Übung. Dies ist in keiner Lehre enthalten, es ist in der Entwicklung des Verstehens von jedem Wesen enthalten.

 Wir sollten innerhalb der Geistesessenz nach Buddhaschaft trachten und sollten nicht außerhalb unser danach suchen. Derjenige, der von seiner Geistesessenz nichts weiß, ist ein gewöhnlicher Mensch. Der, welcher in seiner Geistesessenz erleuchtet ist, ist ein Buddha.  Wei Lang:

Nicht Buddha als historische Person, sondern Buddha als Freiheit von Befleckungen, als Reinheit des Geistes. Das ist der Buddha, zu dem wir alle werden müssen.

Von Joseph Goldstein

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