Karuna
Aus dem Vortragszyklus der Brahmaviharas mit Dagmar Jauernig
Heute war der zweite Teil des Brahmaviharas – Zyklus - Die vier Aspekte der Liebe - die vier Grenzenlosen Zustände - mit Dagmar Jauernig von der Sangha Zürich
Die Brahmaviharas sind die Wohnstätte der Liebe und das sind
Liebe – Mitgefühl – Freude und Gleichmut- vier Zustände, die wenn wir sie praktizieren, Grenzenlos sind.
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Der heutige Abend war dem zweiten Aspekt der Liebe Karuna - Mitgefühl gewidmet.
Karuna ist die Absicht und die Fähigkeit Kummer, Sorgen und Leid, zu lindern und zu transformieren. Es sei ein aktiver Aspekt der Liebe, von tätigem Mitgefühl.
Was Karuna ist : Mitgefühl – mit empfinden - Empathie - aktives zu hören und hinsehen – Zärtlichkeit unseres Herzen – Warmherzigkeit. Verstehen ohne Worte, Mit-fühlen, Mitgefühl sei etwas stilles, ruhiges ohne viele Worte. Ein spontaner Wunsch Leiden zu lindern.
Was Karuna nicht ist: Gefühl vom mit Leiden – Traurigkeit – Selbst mitleid – Helfersyndrom – Depression – aktionistischer Altruismus, Ratschläge geben, Abwehrhaltung, innere Blockade,
Insbesondere der Begriff “Mitleid” ist missverständlich: wer „mit leidet“, identifiziert sich mit den Betroffenen und wird vereinnahmt. Wir brauchen ein wenig Abstand, um die Situation zu verstehen und sinnvolle Hilfe anbieten zu können.
Es ist nicht nötig, selber zu leiden, wenn wir anderen helfen wollen, Ärzte können das Leiden ihrer Patienten lindern, ohne dass sie die gleichen Krankheitssymptome an sich selbst erfahren. Wenn wir zu sehr leiden, ist es denkbar, dass wir aus dem Gleichgewicht kommen und unfähig werden, anderen zu helfen.
Thich Nath Hanh
Dagmar erzählte uns eine Geschichte von Dipa Ma einer Buddhistischen Laien Lehrerin aus Indien:
Einem Mann wurde dauernd in sein Auto eingebrochen und alles gestohlen und er wollte von Dipa-Ma wissen, was er tun könne, das, das aufhöre. Auf die Frage wie er darüber fühle, meinte er; “er sei wütend,” und Dipa-Ma, meinte voller Mitgefühl, “wie verzweifelt muss dieser Mensch sein, dass er so etwas tut.”
Eine Geschichte die uns zeigt, was echtes Mitgefühl ist.
Wenn wir Kinder beobachten, sehen wir, Kinder haben diese Fähigkeit, Mitgefühl, einfach mit einer Umarmung, auszudrücken “ohne Worte” noch nicht verloren, erst im Laufe des Lebens, verhärten viele, innerlich und müssen Mitgefühl, erst wieder lernen. Mitgefühl ist eine angeborene Fähigkeit, die bei uns Menschen aber auch bei den Tieren zu beobachten ist und ist eine der Grundlagen von gutem Miteinander zusammen zu Leben. Mit Achtsamkeit können wir unser Mitgefühl am besten entwickeln, achtsames Atmen, Achtsames Hinschauen und achtsames Zuhören, daraus entsteht Verstehen und wenn wir verstehen, sehen wir unseren Gegenüber, mit anderen Augen.
Ich sehe das bei mir selber, wenn es Mitmenschen, schlecht geht fühle ich mich schnell hilflos und möchte irgendwie helfen, meistens weiss ich dann einen guten Rat, was aber völlig unpassend ist, gutes Zuhören, ist da die beste Hilfe. Wenn wir uns zu dem Leidenden dazu setzen und ihm Zuhören, beginnen wir zu verstehen, was geschehen ist und unser Gegenüber bekommt ein Gefühl, dass er/sie verstanden wurde. Wenn ich etwas nicht verstehe, kann ich auch kein Mitgefühl entwickeln. Es sind wie in der Meditation, drei wichtige Worte, die ich immer anwenden kann.
Hinsehen – hinhören – annehmen
Es ist aber nicht nur Mitgefühl, das uns hilft, die anderen drei, der Grenzenlosen Zustände
- Liebe – Freude und Gleichmut-
gehen Hand in Hand und gehören immer zusammen. Ein Gedicht von einem Tibetischen Meister zeigt wie diese vier unendlichen Zustände gemeinsam wirken.
Lass die Blume des Mitgefühls
in fruchtbaren Reden des Maitri erblühen
und giesse sie mit dem guten Wasser des Gleichmutes
im kühlen, erfrischenden Schatten der Freude
Es ist ein Balanceakt und ein wichtiger Teil der Praxis, uns gegenüber Schwierigkeiten nicht zu verschliessen oder gar abzustumpfen, sondern in einem gesunden Mass auch mit dem Leiden in Kontakt zu sein. Dabei sind beide Aspekte wichtig: Das genaue Hinschauen bei eigenem Leid und beim Leiden anderer. Uns dem zu stellen und uns damit auseinanderzusetzen erweitert unser Verständnis für das Leid, aber auch für die Möglichkeit der Freiheit und es unterstützt uns, unser Mitgefühl zu entwickeln und täglich achtsam anzuwenden.
02.07.2011 Text von Erwin

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