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Zen-Lehrer Marcel Geisser besucht uns nächstes Jahr wieder

am Freitag, den 10. September 2010. um 20 Uhr

Wo: im Kirchgemeindehaus in Wettingen

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Neu auf dem Blog eine Serie von Videos von Thich Nath Hanh

hier Achtsamkeit – Der mittlere Weg

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Flyer download

Hier könnt ihr den Flyer unserer Sangha herunter laden..

pdfFlyer downloaden

Zeitungsbericht vom 5. November 2005 in der Aargauerzeitung

Die Aargauer Zeitung hat am 5. November 2005 einen Zeitungsbericht über unsere Sitzgruppe veröffentlicht. Der Zeitungsartikel kann hier angesehen werden.

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Wenn Euch die Seite gefallen hat freuen wir uns auch über einen Kommentar.

Nun viel Spass beim Lesen!

Nicht Vergessen; wir haben auch noch unsere Webseite

Tao Sitzgruppe Wettingen

über das Herzsutra

über das Herz-Sutra

In der Zen-Tradition wird der Rezitation des Herz-Sutra grosse Kraft zugeschrieben. Sie ver­hilft zur Konzentration des Geistes und zur Regulierung des Atems.

Zusammengefasst besagt das Sutra: Wenn man wie der Bodhisattva Avalokiteshvara in tiefe Meditation versunken ist,  erkennt man das wahre Wesen des Geistes. Geist ist leer, ohne Anhaften, ohne Ego, unendlich gross.  Er ist ohne Spuren, klar wie Wasser. Taucht man tief hinein, wird man alles Leiden überwinden. Man wird an das andere Ufer der Existenz gelan­gen, vom Ufer der Relativität und der Ichbezüglichkeit zum Ufer des Absoluten, des Nicht-Ichs oder der Einheit mit allem, was ist. Die angeborene und erweckte Weisheit ist das Boot, das einen hinüberträgt. Sie ist das Geheimnis, das die beiden Ufer verbindet.

Geist ist wie Wasser. Er kann alles mögliche enthalten. Er kann viele Farben, Formen und Klänge aufnehmen, tragen und leiten, aber an und für sich ist er farblos, formlos und klang­los. Dieser farblose, formlose,  klanglose Geist kann alles so wahrnehmen und spiegeln,  wie es ist. Diese Fähigkeit zum Wahrnehmen, Beobachten und Erkennen ist die uns angeborene Weisheit, Prajna. Von dieser Weisheit wird gesagt, sie sei gross, grenzenlos, absolut. In der Meditation sollte man wie das Wasser im Glas sein und allen Inhalten erlauben, sich zu set­zen – allen Körperempfindungen, Gedanken, Gefühlen, Erinnerungen. Dann wird der Geist von selbst klar und durchsichtig.

Wie nennt man das, was nicht Geräusch, nicht Klang ist? Es ist Stille; die Stille, die sich in allen Geräuschen oder „dahinter“ verbirgt. Diese Stille ist immer gegenwärtig, selbst im grössten Lärm. Stille und Geräusch bedingen sich gegenseitig, das eine existiert nicht ohne das andere. Ebenso ist es mit dem leeren Geist. Er ist immer gegenwärtig. Die Stille lässt die verworrene Gedankenwelt durchsichtiger werden und bringt die Gefühle zur Ruhe. Allmäh­lich stellt sich die subtile Klarheit ein, in der alles so ist, wie es ist. Nichts wird festgehalten und nichts wird abgelehnt. Eine der überlieferten Meditationsanweisungen aus dem alten China lautet: „Entleere deinen Geist und tauche tief ins Tao ein.“

Sammle deine Aufmerksamkeit und führe sie tief zum Ursprung, zum Seinsgrund, in wel­chem alles ruht und aus welchem alles entsteht.

Wie es im Herz-Sutra heisst, betrachtet der in tiefe Meditation versunkenen Bodhisattva das Kommen und Gehen, Auftauchen und Verschwinden aller Dinge. Er sieht, dass alles eine Einheit ist, oder besser gesagt, dass sämtliche Lebenserscheinungen Ausdruck des einen Bewusstseins sind.

Jenseits aller Vorstellungen, jenseits der Zweiheit von hier und dort befindet sich das andere Ufer. Doch dieses Jenseits ist gerade hier, wo wir sind. Dieses tiefe Mysterium ist die Bot­schaft des Herz-Sutra. Deshalb wurde das Sutra über viele Generationen hinweg von unzäh­ligen Menschen rezitiert, studiert und realisiert. Möge es auch in unserer Zeit erhalten blei­ben und weiterhin vielen Menschen den Weg weisen.

Freitags-Text von aus dem Buch Herzsutra von Agetsu Wydler Haduch

Die vier Elemente

Die vier Elemente

Nach buddhistischer Tradition besteht der Körper aus den vier grundlegenden Elementen Erde, Feuer, Luft und Wasser. Diese vier Elemente charakterisieren nicht eine „esoterische“ Grundsubstanz, sondern verschiedene Funktionen und Eigenschaften dieser materiellen Wirklichkeit.

Das Erd-Element bezieht sich auf die Tatsache, dass materielle Dinge Raum einnehmen. Das kann als Härte oder Weichheit direkt wahrgenommen und erfahren werden. In der Meditation sind es diese Erfahrungen, denen wir Aufmerksamkeit schenken.

Das Feuer-Element manifestiert sich als Temperatur, die durch das Schwingen materieller Dinge zustande kommt. Wir nehmen sie wahr: kalt, kühl, warm, heiß oder brennend heiß. Es mag sein, dass wir hier sitzen und der Gedanke kommt: »Oh, es ist wirklich heiß hier drinnen!« Wenn wir in diesem Moment unsere Aufmerksamkeit und Achtsamkeit dem Körper zuwenden, was nehmen wir dann wahr? Eine Anzahl wechselnder Empfindungen von Kälte oder Hitze. Statt dass wir denken: »Wie heiß es hier drinnen ist!«, fühlen wir die unmittelbare Erfahrung.

Das Luft-Element bewirkt Bewegung in den materiellen Dingen und kann als Vibration, Oszillation oder Spannung wahrgenommen werden. Dies ist die Ebene, auf die wir unsere Achtsamkeit richten wollen.

Das Wasser-Element sorgt für das Zusammenhalten der Materie und entspricht den Kräften der Kohäsion. Dieses Element kann nicht direkt gespürt werden, da es die Kraft ist, die zusammenfügt und so Berührungsflächen auflöst.

In den Meditationen des Körpergewahrseins, die in der Vipassana- oder Erkenntnis-Meditation eine wesentliche Rolle spielen, können wir den Körper auf der Ebene der direkten Wahrnehmung dieser Elemente erfahren, anstatt auf der Ebene von Konzepten wie „Hand“, „Knie“ oder „Körper“ zu bleiben. Dies kann uns helfen, unser Anhaften am Körper zu lösen. Wenn wir denken: »Oh Schreck, mein Knie schmerzt fürchterlich, vielleicht muss ich ins Krankenhaus«, sind wir bereits eindeutig mit der momentanen Körpererfahrung identifiziert. Es ist „mich“ und es ist „mein Knie“, das „fürchterlich schmerzt“. „Ich“ wirkt solide, „Knie“ scheint substanziell, „Schmerz“ ist real, und die befürchtete Konsequenz ist fast schon so gut wie eingetreten.

Wenn es uns jedoch gelingt, unsere Aufmerksamkeit unvoreingenommen und mit Sorgfalt und Interesse auf die direkte Erfahrung zu richten, was nehmen wir da wahr? Einen Druck, ein Stechen, vielleicht Hitze — kaum mehr. Achtsames Hinfühlen, unter Umgehung der Konzepte, kann aus einem scheinbar komplexen und problematischen Phänomen eine relativ leicht verkraftbare Erfahrung machen. So fällt es auch leichter, dieser Erfahrung mit Gelassenheit zu begegnen, statt mit Abneigung, Ärger oder Panik darauf zu reagieren. Die Erfahrung mag vielleicht etwas schmerzhaft sein, etwas unangenehm, aber nicht wirklich ein Problem – kein inneres Leiden.

Aus dem Buch Buddhismus von  Fred von Allmen Produkt-Information

Gelöbnis für den Menschen

,, Gelöbnis für den Menschen ,,

Lasst uns in Ruhe und Gelassenheit, zu unserem Wahren Selbst erwachen.

Zu wahrhaft mitfühlenden Menschen werden, unsere Fähigkeiten ergründen und gebrauchen

Entsprechend unserer jeweiligen  Berufung;

Das Leid erkennen im Einzelnen und in der Gemeinschaft und seine Ursache

und die Richtung kennen lernen, die die Geschichte nehmen sollte;

Einander als Geschwister die Hand reichen

Hinaus über Grenzen und Rasse, Nation, Klasse, und Geschlecht.

Lasst uns voll Mitgefühl geloben;

Die tiefe Sehnsucht des Menschen nach der Befreiung

Wahr werden zu lassen und eine Welt zu schaffen;

In der jede und jeder leben kann

In Wahrheit und Fülle.

Hisamatsu Shin ichi

aus dem grauen Büchlein vom Haus Tao S31

Rezitationen der Sati Zen Sangh

Zen als Lebenshaltung

Durch das Sitzen in der Stille werden alte Verkrustungen aufgelöst und unser Blick ist für das Leben geöffnet. In diesem Augenblick begegne ich mir selbst. Jeder Augenblick, den ich ganz und gar absichtlos lebe,auf den ich mich ohne Bewertung einlasse, wird zum Ausdruck meines wahren Wesens.

Wenn kein Gedanke sich zwischen mich und das Tun dazwischen schiebt, wenn ich und Welt eins werden, tut sich das wahre Wesen allen Seins auf und es wird mir in diesem einen Augenblick bewusst.

Es ist mit keinen Begriff zu beschreiben, doch wir erfahren es, frei von allen Benennungen und Bewertungen als grenzenlose Verbundenheit mit allen Lebewesen. Im Kegon-Sutra wird das allumfassende Sein mit einem unendlichen Ozean verglichen. Dieser Ozean zeigt sich in unendlichen Wellen. So wie jede Welle Vollzug des Ozeans ist, so sind die Phänomene Ausdruck des Seins. Lassen wir uns ganz auf den Augenblick ein, das heisst, werden wir eins mi der Form, erfahren wir ihr wahres Wesen, erleben wir sie als Ausdruck des Ozeans. Erfahren bedeutet dabei, dass wir in dem Moment , wo wir uns dieses Einen bewusst werden, uns selber auch nicht mehr von den Phänomenen getrennt erleben, sondern uns mit allem im Ozean als eins erfahren.

Achtsamkeit kennt keine Unterscheidung. Daraus ergibt sich die radikale Akzeptanz des Augenblicks. Diese Akzeptanz ist ein waches  Dasein, ein Sich-Einlassen auf den Augenblick ohne Wenn und Aber.  Sie ist ein radikales Leben des Augenblicks. Sie nimmt radikal den Augenblick als Vorzug des Lebens an und projiziert damit nicht die eigenen Vorstellungen und Wertungen in den Augenblick. Damit wandelt sie unsere Emotionen in tiefe Empfindungen um, da sie nicht mehr an Objekte gebunden sind. Zudem macht sie unseren Geist klar, doch nicht schneidend, da sie nicht mehr trennt.

In dieser Absichtslosigkeit entfaltet sich das uneingeschränkte Mitgefühl. Mitgefühl ist im Zen kein unbestimmtes Gefühl. Mitgefühl ist die bewusste und aktive Annahme dessen, was ist. Damit steht das Mitgefühl im Zen als Lebenshaltung im Mittelpunkt und gibt ihm auch einen Ort, nähmlich das Herz. Zen beschreibt seine Übung der Achtsamkeit als Erwachen des Herzgeistes. Der Herzgeist lässt mich selbst im anderen erfahren, nichts steht mir gegenüber, sondern ich finde mich im anderen wieder.  Denke ich an andere, denke ich an mich, betrachte ich das andere betrachte ich mich selbst.

So beschreibt Meister Ryokan es in einem seiner Gedichte

Selbst wenn du so viele Bücher verschlingst,

wie es Sandkörner am Ganges gibt.

Das ist doch alles nicht so viel wert,

wie das Erfassen eines einzigen Zen-Verses.

Wenn du das Geheimniss des Zens wissen möchtest.

Hier ist es:

Alle Dinge sind im Herzen.

Quelle; Doris Zölls

Interview

wie ein Traum…

Alle zusammengesetzten Dinge sind

wie ein Traum, ein Phantom,

ein Tautropfen, ein Blitz.

So meditiere man über sie,

so betrachte man sie.

aus dem Diamant-Sutra

Gefangene der eigenen Illusionen. Freitagstext vom18.09 2009

Unermessliches Mitgefühl für alle füllenden Wesen,

die als Gefangene ihrer Illusionen leiden,

bricht spontan hervor.

Kalu Rinpoche

Stellen Sie sich vor, Sie verbringen ihr Leben in einem kleinen Zimmer mit nur einem verschlossenen und so schmutzigen Fenster, dass kaum Licht durch kommt. Wahrscheinlich würden Sie die Welt für einen ziemlich düsteren und trübseligen Ort halten, voller merkwürdig gestalteter Geschöpfe, die schreckenerregende Schatten auf ihr verdrecktes Fenster werfen, wenn sie an Ihrem Zimmer vorbeigehen. Aber nehmen wir mal an, dass Sie eines Tages etwas Wasser am Fenster verspritzen oder nach einem Gewitter  etwas Regenwasser herein tröpfelt und Sie es mit einem Lappen oder einem Zipfel ihres  Hemdärmels wegwischen. Und damit  löst sich auch etwas von dem Schmutz, der sich auf dem Fensterglas angesammelt hatte.

Plötzlich dringt ein kleiner heller Lichtstrahl durch. Neugierig reiben Sie noch etwas mehr, und je mehr Dreck sie entfernen, desto mehr Licht strömt herein. Vielleicht ist die Welt doch gar nicht so dunkel und  trübselig, denken Sie nun, Vielleicht liegt es am Fenster. Sie gehen zur Spüle, holen mehr Wasser und vielleicht noch einige Lappen und reiben und rubbeln, bis das gesamte Fenster von Staub und Schmutz befreit ist. Das Licht strömt voll herein  und Sie erkennen vielleicht zu ersten Mal, dass all diese merkwürdig geformten Schatten, die Sie jedes Mal beim Vorbeikommen in Angst und Schrecken versetzten, Menschen sind – so wie Sie!! Und aus der Tiefe ihres Bewusstseins steigt der instinktive Drang empor, gesellschaftliche Bande zu knüpfen – auf die Strasse hinaus zu gehen und einfach bei ihnen zu sein.

In Wahrheit haben Sie gar nichts verändert. Die Welt, das Licht und die Leute waren immer da. Sie konnten sie nur nicht sehen, weil ihre Sicht verdunkelt und getrübt war. Aber jetzt sehen sie alles, und damit ist nun für Sie alles anders geworden!!

Das nennen wir in der buddhistischen Tradition das Erwachen des Mitgefühls, der uns angeborenen Fähigkeit, uns mit den Erfahrungen von anderen zu identifizieren und sie zu verstehen.

Aus dem Buch von Yongey Mingyur Rinpoche  Buddha und die Wissenschaft vom Glück

Rechte Anstrengung

Am 24.November im letzten Jahr besuchte ich den Dharma Vortrag von Marcel Geisser in Zürich.

Jetzt habe auf der Seite vom Haus Tao den ganzen Vortrag gefunden als Audio

Rechte Anstrengung hier anklicken

Sangha Zürich November 2008
Schweizerdeutsch, (Vortragsdauer 1hmin

Rechte Anstrengung….

Dharma-Vortrag von Marcel Geisser vom 24.11.2008 in Zürich

Heute war ich wieder einmal an einem Dharma-Vortrag von Marcel Geisser vom Haus Tao in Wolfhalden im schönen Appenzellerland. Zur Einstimmung machten wir eine kleine geführte Meditation.

Zu Beginn der Meditation erinnerte er uns an die Hauptpunkte der Meditation und deren Möglichkeiten. Sitzen wir auch richtig, nicht zu steif, dass uns alles weh tut und nicht zu locker, so dass wir einschlafen, und genau da beginnt Rechte Anstrengung, es gibt da zwei Extreme, wir übertreiben oder wir sind zu lässig. Weiterlesen Blog zentao

Womit befasst sich Meditation?

Hier noch der Freitagstext vom 4. September welcher gestern von Herbert vorgelesen wurde, dieses mal ein Text über die Geistesschulung von Matthieu Ricard.

Womit befasst sich Meditation?

Meditationsgegenstand ist der Geist. Zurzeit ist er noch verwirrt, aufgewühlt und widerspenstig, ausserdem zahllosen Prägungen und Mustern unterworfen. Keinesfalls soll Meditation den Geist brechen oder ihn betäuben. Im Gegenteil, sie soll dafür sorgen, dass der Geist frei, klar und ausgeglichen wird.

Nach buddhistischem Verständnis ist der Geist keine Entität, sondern ein dynamischer Strom von Erfahrungen, eine Abfolge von Bewusstseinsmomenten. Häufig sind diese Erfahrungen von Verwirrung und Leid gekennzeichnet, sie können jedoch auch in einem offenen Zustand von Klarheit und innerer Freiheit erlebt werden.

Jigme Khyntse Rinpoche, ein zeitgenössischer tibetischer Meister, erinnert uns an etwas bereits bekanntes:

„Wir brauchen unseren Geist in keiner Weise darin zu üben, leichter gereizt zu reagieren oder eifersüchtig zu werden. Niemand muss uns helfen, schneller wütend zu werden oder unsere Eigenliebe, unsere Selbstverliebtheit zu vergrössern!“

Hingegen ist Geistesschulung äusserst wichtig, wenn wir nach Verfeinerung der Achtsamkeit, nach emotionalem Gleichgewicht, nach innerem Frieden streben und Hingabe, die dem Wohl der anderen Wesen zukommt, kultivieren wollen. Über das Potential, das wir benötigen, um solche Qualitäten bis zur Vollendung zu entwickeln, verfügen wir. Diese Qualitäten werden jedoch nicht von selbst zunehmen, nur weil wir es so wollen. Eine gewisse Übung ist unerlässlich. Jede Art von Ausbildung oder Schulung setzt freudiges Bemühen voraus. Wollen wir lernen, Ski zu laufen, reicht es nicht, bloss eine oder zwei Minuten im Monat zu trainieren.

Beim Meditieren geht es weder darum, den Gedanken Einhalt zu gebieten, um „Leere“ im eigenen Geist zu schaffen – was übrigens unmöglich ist -, noch drum, die Vergangenheit zu analysieren oder die Zukunft vorwegzunehmen. Ebenso wenig bleibt aber Meditation auf schlichte Entspannung beschränkt,  auf einen undifferenzierten Bewusstseinszustand, in dem die inneren Konflikte vorübergehend aufs Abstellgleis geschoben werden.

Entspannung ist selbstverständlich ein Element der Meditation. Sei besteht allerdings eher in einer gewissen Erleichterung, die sich einstellt, sobald wir uns von unseren Hoffnungen und Befürchtungen lösen, von den Launen des Ich und von dem, woran es haftet: von alldem also, was unseren inneren Konflikten gewöhnlich immer aufs Neue einen Nährboden bietet.

Meditation soll uns zu einer klareren Sicht der Wirklichkeit verhelfen. Die Wirklichkeit genau so wahrzunehmen, wie sie im Alltag tatsächlich ist, darin besteht der Sinn und Zweck von Meditation.

Meditationen stützen sich auf die Erfahrungen vieler Generationen von kontemplativen Menschen, die ihr Leben lang gedankliche Wechselwirkungen beobachtet und die Natur des Geistes erkundigt haben. Von der so gewonnen Erfahrung ausgehend, haben diese Meditationsmeister schliesslich zahlreiche empirische Methoden gelehrt, die es uns ermöglichen, geistige Klarheit, Achtsamkeit, innere Freiheit, selbstlose Liebe und Mitgefühl zu entwickeln.

Matthieu Ricard

Freitagstext vom Freitag 28.09.2009

Wer bin ich? Dies ist keineswegs eine theoretische Frage. Inmitten all der Sorgen und Probleme, die uns plagen, ist diese Fragestellung von hohem praktischem Wert. Wer glaube ich zu sein…

Die geheimnisvolle Illusion des Selbst

Zum Abschluss der buddhistischen Ordinierungszeremonie, die im heiligen Hain tief im Waldkloster stattfindet, erhält der neue Mönch die erste Meditationsunterweisung. Sie besteht aus der Frage;“ Wer bin ich?“ Hierbei geht es um systematische Selbstuntersuchung. Mit dem Körper beginnend fragen wir; „Bin ich die Haut? Die Haare? Die Muskeln und Knochen? Die Organe oder das Blut? Bin ich dieser Körper?“ Die moderne Wissenschaft erklärt, dass innerhalb von 7 Jahren jedes Molekül im Körper ausgetauscht wird. Wenn ich also keines dieser  materiellen Elemente dieses Körpers bin, was bin ich dann? Bin ich der Strom wandelnder Gefühle? Oder Wahrnehmungen und Erinnerungen? Bin ich Gedanken und Ideen, Überzeugungen und Meinungen? Wer bin ich?

Dies ist keineswegs eine theoretische Frage. Inmitten all der Sorgen und Probleme, die uns plagen, ist diese Fragestellung von hohem praktischem Wert. Wer glaube ich zu sein: am Arbeitsplatz, in der Familie, der Gemeinde, in meinem Herzen? Wie wir diese Frage beantworten, zieht entweder Verstrickungen und Kämpfe nach sich oder – ganz egal wo wir stehen -  Freiheit und Leichtigkeit. Unsere Situation als Mensch richtig zu verstehen ist ein ganz entscheidender Schritt.

Nach klassisch buddhistischem Verständnis sind zwei verschiedene Geisteszustände für das Gefühl eines Selbst verantwortlich. Den einen nennt man <<Selbst-Sicht>>, was den Aspekt der Erfahrung von <<ich>> oder <<mein>> umfasst. Der zweite wird als <<vergleichende Sicht>> bezeichnet, was bedeutet, dass wir das so geschaffene Selbst für besser, schlechter oder gleich gut halten – im Vergleich mit anderen. Wann immer wir uns mit unserem Körper, unserem Geist, unseren Überzeugungen oder Rollen und unseren Lebenssituation identifizieren, schaffen wir ein Selbstgefühl. Dies Identifikation geschieht unbewusst immerund immer wieder, sobald wir glauben, dass unsere Gedanken und Gefühle und Wahrnehmungen wir selbst sind oder uns gehören.

Dieses Selbst aber kann auf unheilsame und auf heilsame Weise geschaffen werden. Eine Freundin verliert die Wahl um ein Amt in der lokalen Schulverwaltung, nachdem einige merkwürdige Dinge über sie in Umlauf gebracht wurden. Sie identifiziert sich mit dem, was über sie gesagt wurde und nimmt alles sehr persönlich. Ein anderer Freund erfährt von seinem alternden und übermässig kontrollwütigen Vater, dass er vielleicht  im Testament nicht berücksichtigt wird. Nur seine Schwestern, die sich <<gut benommen>> haben, werden Geld bekommen. Er vergleicht sich mit den Frauen, verliert sich selbst und identifiziert sich mit der Rolle des verstossenen Sohnes. Die 17 Jährige Tochter einer Bekannten wird schwanger. Die Bekannte glaubt von nun an, als Mutter versagt zu haben, weil sie ihre Tochter nicht davor bewahrt hat. Doch dann kommt das Enkelkind zur Welt, ein wunderhübsches Mädchen. Da lässt die Frau ihre strengen Wertungen los und wird zur liebenden Grossmutter. Nun ist dies ihre Identität, die ihr Leben prägt. Kurz darauf zieht ihre Tochter weg, und schon erlebt sie sich als jemand, der steht’s verlassen oder betrogen wird. Wer ist diese Frau wirklich?

Auf dem buddhistischen Übungsweg versuchen wir, unsere Identität so genau wie möglich zu erforschen. Wir fragen uns wer wir hinter all unseren Rollenbildern wirklich sind. Während wir dies tun, erleben wir, wie die Schichten unserer vermeintlichen Identität sich öffnen und abfallen oder sich durch die systematische Praxis der Achtsamkeit allmählich auflösen. Wir Entdecken, dass unser Leid eben aus der Identifizierung mit solch einem begrenztem Selbstgefühl entsteht. Uns von diesen Begrenzungen loszusagen befreit uns von den Kämpfen eines ganzen Lebens.

Aus dem Buch <<Das weise Herz>> von Jack Kornfield

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